2. Seminar der Wissenschaftsglasbläser Berlin/Brandenburg
Am 18. 11. 2005 fand das 2. Seminar der Wissenschaftsglasbläser Berlin/Brandenburg statt. Die Gesamtteilnehmerzahl lag bei ca. 30 Personen, wobei
hier einige Teilnehmer aus dem Bereich Chemiewissenschaften
und Werkstoffentwicklungen interessiert
teilnahmen. Von den ca. 20 Glasapparatebauern reiste sogar ein
Teilnehmer aus Niedersachsen an.
Das Teilnehmerspektrum der übrigen
Glasapparatebauer war in etwa zur Hälfte aus dem
universitären Bereich und zur anderen Hälfte
aus dem privatwirtschaftlichen Bereich
vertreten. Das Treffen begann um 14.00 Uhr bei unserem
Gastgeber der Humboldt Universität,
dem verantworlichen Werkstattleiter und unserem
VDG-Mitglied Fred Leinung,
mit der Besichtigung der Zentralglasbläserei.
Hier gab es wie immer, wenn sich Glasapparatebauer treffen,
einen regen Gedankenaustausch. Uns stand einer der
Seminarräume für das Treffen zur Verfügung.
Nach der Begrüßung des Institutsdirektors,
Herrn Prof. Dr. sc.nat. Hans-Werner
Abraham, begann
der interessante Vortrag der Bundesanstalt für
Materialprüfung von Herrn Dr. rer. nat. Ralf
Müller.
Dieser Vortrag beschäftigte sich mit modernen
Anwendungen des Glases und thermischen Messverfahren.
Hier sind nur einige der erwähnten
Messverfahren aufgelistet: Dilatometrie ( thermische Dehnung ),
mechanische Spektroskopie,
Viskosimetrie, die Untersuchung von Sinter-,
Kristallisations- und Gasabgabeprozessen. Hier waren wir alle
erstaunt, dass sich doch im Berliner Raum
in manchen Laboren - wie auch hier bei der BAM - so
intensiv mit unserem Werkstoff Glas auf so hohem wissenschaftlichen
Niveau auseinandergesetzt wird.
Der letzte Teil des Seminars war ursprünglich
für meinen Bericht über die allgemeinen
VDG-Aktivitäten vorgesehen.
Da ich schon während unseres Besuchs in Chicago beim Treffen
der amerikanischen Kollegen auf die interessanten
Glasobjekte der Blaschkas aus Dresden aufmerksam gemacht
wurde, fiel es mir leicht, für dieses Thema meinen
Teil entfallen zu lassen.
Es hatte sich kurzfristig ergeben, dass Herr Dr. Reimann
aus Potsdam, Mitglied im Vorstand des Vereins Blaschka-Haus, gerne
bereit war,
über die Aktivitäten um die Werkstatt
in Dresden und über das jetzt in Deutschland endlich bekannt
werdende Thema der Blaschka Glasobjekte zu berichten.
Hier muss man wissen, dass diese Objekte nie gedacht
waren, die Bezeichnung Kunstwerke zu bekommen,
sondern sie dienten ausschließlich
wissenschaftlichen Zwecken im Bereich der Biologie und Naturkunde. Da
die pflanzlichen Nachbildungen ab 1890
ausschließlich an das Harvard Museum in Boston
geliefert wurden, sind diese Objekte in Deutschland nahezu
unbekannt.
Durch die Aktivitäten um das Haus der Blaschkas
in Dresden, befördert durch den Verein Blaschka-Haus, werden
diese hochgradigen handwerklichen Erzeugnisse
nun auch in Deutschland bekannt, sodass sich auch z. Zt.
in Deutschland viele Archivare aus naturwissenschaftlichen Instituten
und Museen darum bemühen
in ihren Beständen Blaschka Objekte zu finden.
Alle Teilnehmer der Veranstaltung waren über die hohe
Qualität der Glasobjekte der Blaschkas erstaunt.
Keiner der teilnehmenden Glasbläser konnte
irgendeine Vorstellung entwickeln, wie man diese diffizielen
Glasobjekte heute herstellen könnte,
zumal man bedenken muss, dass die letzten Objekte im
Jahre 1938 gefertigt wurden. Ich glaube, dass es in nächster
Zeit noch einige Ausstellungen in Deutschland
zu diesem Thema geben wird. Zum Jahreswechsel fand
bereits in Düsseldorf eine Präsentation von vor 1890
nach Großbritannien gelieferten Blaschka Glasobjekten
statt.
Ich kann sagen, dass auch das 2. Treffen für
uns Teilnehmer äußerst interessant war, und ich
werde deshalb auch im
Jahr 2006 das 3. Seminar, dann wieder an der TU Berlin, veranstalten,
vorraussichtlich Ende Oktober 2006. Vielen Dank an unser VDG-Mitglied Fred Leinung.
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