Re: quarzglas reparaturen


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Geschrieben von / Posted by Andreas Haimberger am/on  23. Jan. 08 - 21:02:10

In Antwort auf / In Reply to quarzglas reparaturen geschrieben von / posted by Konstantin Kraft am/on  22. Jan. 08 - 11:12:53

Hallo Konstantin

Es gab hier in Wien an einem Universitätsinstitut einen Glasbläser, der sehr viel mit verschmutzten Quarzglasgeräten und -Gefässen (abgeschmolzene Ampullen) arbeiten musste. Dieser Glasbläser bekam als "Abschiedsgeschenk" zu seiner Pensionierung vor vielen Jahren erhebliche gesundheitliche Probleme durch Schwermetallvergiftungen. Höchstwahrscheinlich (aber nicht rechtsgültig beweisbar) waren diese gesundheitlichen Probleme durch seine jahrelange Quarzglas-Arbeit bedingt.

Beim Umgang mit dem Kunden bzw. Autraggeber würde ich folgendermaßen vorgehen:

Ich würde mir bei jeder Reparaturannahme ein Formular unterschreiben lassen, bei dem die genaue Art der Verschmutzung und eine verbindliche Zusicherung der Ungefährlichkeit vermerkt ist. Es sollte auch genau beschrieben werden, wie das zu reparierende Teil und die Verschmutzung darauf aussieht. ("So ein Teil habe ich nie reparieren lassen, sie müssen sich bei einem anderen Glasgerät vergiftet haben").

Verweigert das der Kunde/Auftraggeber, dann wird das Teil eben nicht repariert, basta. Ich kann nicht dazu gezwungen werden, ein mir unbekanntes Gesundheitsrisiko einzugehen.

Natürlich schützt das auch nicht vor bewusst falschen Angaben der Forscher, aber vielleicht wird dadurch das gesundheitliche Risiko des Glasbläsers bei den Auftraggebern etwas deutlicher gemacht.

Mein Lehrherr hatte früher folgenden Kommentar zu stark verschmutzten Glasgreparaturen:

"Würden sie dieses Glasteil in den Mund nehmen? Nein? Wir müssen das Teil aber in den Mund nehmen, wir müssen ja schliesslich hineinblasen. Womit blasen sie im allgemeinen, wenn nicht mit dem Mund?"

Natürlich kann ich auch mit einem längeren Schlauch hineinblasen, aber die abdampfenden Verunreinigungen bekomme ich trotzdem zu einem Teil in die Lunge.

Zur Behandlung verschmutzter Quarzglasreparaturen:

Ich würde gerade bei Quarzglas wegen der sehr hohen Arbeitstemperatur, alle Verschmutzungen so behandeln, als wären sie hochgiftig. Das heisst also, alle Verschmutzungen MÜSSEN restlos entfernt werden, bevor ich das Teil in der Flamme aufheize. Das ist bei Quarzglas wegen der Entglasungsgefahr sowieso erste Pflicht. Ein Abbrennen von unbekannten Verunreinigungen in der Flamme würde ich prinzipiell ablehnen.

Schlimmstenfalls kommt das Teil halt mehrere Stunden in verdünnte (ca. 5%ige) Flusssäure, dann lösen sich auch unlösliche Rückstände langsam als "Flitter" ab, weil die Säure zwischen Glas und Verschmutzung "hineinkriecht". Es wäre auch sinnvoll, die Quarzglasteile in einem Ofen (mit Abzug/Absaugung der entstehenden Gase!) bei höherer Temperatur (so um die 700-800 °C) auszuglühen, dann sollten auch Kohlenstoffbeläge wegbrennen. In hartnäckigen Fällen kann man mit abwechselndem Ausglühen und Abätzen in verdünnter Flusssäure praktisch jede Verschmutzung entfernen, ohne dass man die Dämpfe einatmen muss.

Wenn man mit Quarzglas arbeitet, ist eine grössere Säurewanne mit dicht schliessendem Deckel sowieso zu empfehlen, damit man die weissen Beläge rund um heissbearbeitete Stellen abätzen kann. Wenn man verdünnte 5%ige Flusssäure verwendet und die Wanne einen brauchbaren Deckel hat, ist auch nicht unbedingt ein Abzug erforderlich.

Grüsse aus Wien, Andreas Haimberger




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