Geschrieben von / Posted by H. Klose am/on 11. Feb. 08 - 00:14:07
Entschuldigung, da ist 'was falsch gelaufen, gleich nochmal:
Hi Monika,
da Du uns mit 'Kollegen anredest, nehme ich mal an, dass Du 'ne Glasbläserin (Glasapparatebauerin ) bist. Insofern setze ich einiges Fachwissen voraus.
Grundlage für Glas - Metall Verbindungen ist die Oxidbindung. Das Oxid haftet einerseits sehr fest auf dem Metall, anderseits löst es sich im Glas und bildet mit diesem ein neues Glas mit einem abnehmenden Diffusionsgradienten in das Glasvolumen hinein. Diese Verbindungen sind sehr haltbar unter der Voraussetzung, dass bestimmte physikalische Parameter eingehalten werden (z.B. weitgehende Übereinstimmung der Ausdehnungskoeffizienten).
Es gibt aber zwei große Ausnahmen:
1. Die Quarz - Metall Verbindung, hier ist die notwendige Bearbeitungstemperatur so hoch, dass das Oxid verdampft,
2. Die Platin - Einschmelzung, Platin bildet kein Oxid.
Platin besitzt aber eine ausgezeichnete Benetzbarkeit für Gläser, bei Beachtung annähernd gleicher thermischer Ausdehnung der Verbidungspartner gibt es eigentlich keine Einschränkung der Festigkeit gegenüber der Oxidbindung. Weichgläser der Ausdehnung 8.7...10.0 sind hier recht gut geeignet, das Platin ist sehr duktil (mechanisch verformbar) und passt sich in gewissen Grenzen dem Glas an. Sehr gut geeignet ist z.B. das AR-Glas mit einer Ausdehnung von 9.1.
Platineinschmelzungen waren bis ca. zum Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts die dominierenden Drahtdurchführungen in der sich dynamisch entwickelnden Vakuum Röhrentechnik, wurden danach aber abgelöst durch spezielle Metalllegierungen des Vacon - Types, die den Gläsern besser angepasst und in der Massenproduktion auch billiger waren.
Heute werden Platindurchführungen noch verwendet bei Thermofühlern (Pt 100 Widerstands Elemente, Thermoelemente auf Platin - Platin Rhodium Basis), wegen seiner hohen chemischen Beständigkeit für Sonden in hoch agressiven Medien und wegen seiner sehr hohen Aufnahmefähigkeit für Wasserstoff in der Gasanalyse (Lecksuchgeräte).
Zur Einschmelzung ist nur vakuum geglühter Platindraht verwendbar, da der ansonsten im Platin gebundene Wasserstoff zu blasigen und damit undichten Verschmelzungen führt.
Die häufig geäußerte Meinung, dass Platin bis zum Durchmesser von 0,3...0,5 mm auch in Duran einschmelzbar ist, vertrete ich nicht, da die Ausdehnungsunterschiede zu groß sind, die Verbindungen werden nach einiger Zeit undicht.
Reiche Literatur dazu findet sich bei den Altvatern der Vakuumtechnik, z.B. Espe oder Zinke.
Viele Grüße aus Dresden von
Helmut Klose
Re: Re: Platin - nochmal richtiger monika
11. Feb. 08 - 20:07:01
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