VERBAND DEUTSCHER GLASBLÄSER TRAF SICH IN LAUSCHA

Fachkapazitäten beim Familientreffen

VON ANDREAS BEER
LAUSCHA – Ein internationales Fachpublikum bezog in den vergangenen Tagen Quartier in der Glasbläserstadt Lauscha. Die Tagung des Verbandes deutscher Glasbläser (VDG) endete am Sonnabend. Die Veranstalter ziehen ein rundum positives Fazit. Rund 150 Gäste kamen zu der VDG-Mitgliederversammlung. Ein durchaus hochkarätiges Publikum fand dabei den Weg in die Glasbläserstadt. Der Verband selbst zählt rund 600 Mitglieder und dient der Wahrung und Förderung der beruflichen Interessen seiner Mitglieder.

Zum dritten Mal legte der Zusammenschluss eine wichtige Versammlung in den Osten der Republik – nach Suhl und Ilmenau fand sie dieses Mal in Lauscha statt.

Landesinnungsmeister Lothar Müller-Schmoß, der aktiv mithalf das Treffen in seine Heimat zu holen freute sich über den Zuspruch: Industrievertreter renommierter Firmen wie BASF oder Heräeus-Holding trafen auf Universitäts-Forscher aus Tübingen, Dresden oder Berlin, die sich in ihren wissenschaftlichen Arbeit dem Werkstoff Glas oder dem Apparatebau widmen. Kunstglasbläser und Wissenschaftler, Industrieausrüster und Auszubildende saßen da nebeneinander. Müller-Schmoß: „Nach Lauscha sind damit eine ganze Reihe wirklicher Fachkapazitäten gekommen. Wir sind stolz, solche Leute einmal hierher geholt zu haben.“ Rund um die Tagung war ein umfassendes Programm gestrickt worden: Abstecher zu hiesigen Firmen wie Krebsglas oder Fiber International standen auf dem Programm. Auch für Stippvisiten ins Umland blieb Zeit: Ein Besuch des Heimatmuseums Geißlerhaus fand ebenso seinen Platz wie ein Mittagsimbiss im historischen Gebäude der Mutterglashütte.

Dort fand am Sonnabend auch die VDG-Mitgliederversammlung statt. Kritik wurde dabei an der Neufassung der Handwerksordnung laut. „Das ganze stellt keine erfreuliche Entwicklung dar. Im Ergebnis wird die Zahl der Arbeitsplätze eher zurückgehen und das Niveau eher abgesenkt“, prognostizierte Müller-Schmoß. Man rechne damit, dass dank der freizügiger gestalteten Gewerbeordnung künftig „mehr Eintagsfliegen mitmischen werden, die es zwar nicht lange geben wird, die uns aber die Preise kaputtmachen.“ Der Landesinnungsobermeister der Thüringer Glasbläser Gerald Vogel schob nach, dass die Branche ohnehin schon unter gestiegenen Energiekosten leidet. Rohstoffe und Materialpreise, so der Glasbläser aus Steinach, hätten sich in den vergangenen Jahren zudem teilweise um bis zu 80 Prozent verteuert: An die Kunden könne man dies aber nicht weitergeben – dagegen spricht die ohnehin schon ausgeprägte Konsumzurückhaltung, umriss Vogel das Dilemma.

Austausch zählt

Wenn schon kein Geld zu machen ist, dann bot die Tagung für die zahlreichen Kunsthandwerker aus Lauscha und Umgebung zumindest Erkenntnisgewinn: Den Austausch über technische Neuerungen mit Kollegen aus der Forscherzunft oder den derzeit erfolgreicher am Markt agierenden Apparatebauern setzten Vogel und Müller-Schmoß hoch an. Und umgekehrt strich VDG-Verbandsmitarbeiter Armin Mankel das dichte Netz glasverarbeitender Industrie in der Region heraus. Dass sich diese Firmen zudem bereitwillig ins VDG-Programm einbinden ließen, lobte er ausdrücklich.

So nutzten beispielsweise am Donnerstag Fachschüler aus ganz Deutschland und Azubis renommierter Firmen die Infrastruktur der Farbglashütte für diverse Workshops. Die beiden Heräeus-Azubis Matthias Horstkamp (18) und Daniel Link (17) ließen sich dabei von Glasbläserin Jana Brinkmann in der Herstellung von Glasperlen unterweisen. Für Link, angehender Verfahrenmechaniker mit Fachrichtung Glastechnik, eine willkommene Abwechslung: „Mit so etwas kommt man ansonsten in der Ausbildung kaum in Berührung.“

Langfristig dürfte das Treffen somit beigetragen haben, den Ruf Lauschas in der Branche auch beim Nachwuchs zu festigen. Bei den Altvorderen indes darf sich die Glasbläserstadt bekanntlich bereits über internationales Renommee freuen – vielfach nutzten Gäste aus der Schweiz, Frankreich, Japan und den USA die Tagung, um diese mit einer Besichtigungstour durch Lauscha zu verbinden.

Zwar vermochten die Lauschaer dabei mit Offenheit und Gastfreundschaft zu punkten – wie allseits gelobt wurde – doch Defizite blieben nicht unbemerkt. Tagungsgast Harald Eberhart: „ Ich dachte ich komme hier in das Venedig der Glaswelt. Mir war gar nicht klar, dass hier alles noch im Aufbau begriffen ist.“ Der Österreicher, der seit 40 Jahren in Nordamerika lebt und an der Universität Michigan als Meisterglasbläser arbeitet, zeigte sich enttäuscht: über aufgerissene Straßen, fehlende Parkplätze, kaum Hotels und schlechte Beschilderung. Aus einem fest eingeplanten Werkstatttrip samt Schauvorführung sei nichts geworden: „Immer wenn ich hinwollte, war Pause von 12 bis 15 Uhr.“ Ein Mekka des Glases – mit verrammelten Türen.

Seinen Ausklang nahm das viertägige Treffen mit einem zünftigen Hüttenfest in der Farbglashütte. Und ein kräftiger Schluck aus dem mit Bier gefüllten „Behälterglas“ trug dazu bei, dass sich auch Harald Eberhart gerne mit den realen Gegebenheiten seines Südthüringer Glas-Mekkas ein wenig versöhnte.