Rückblick: VDG-Fortbildungsseminar 2001

Besichtigung der Schott Desag AG Deutsche Spezialglas

Während der diesjährigen Tagung in Göttingen hatten wir unter anderem die Möglichkeit die Schott Desag AG in Grünenplan zu besichtigen.
So ging es am Montag morgen zeitig um 8:00 Uhr los.

In Grünenplan angekommen, wurden wir von Herrn Hemberger begrüßt. Hierbei stellte er kurz die Firma vor. Sie ist eine der größten Industrieunternehmen in Niedersachsen mit etwa 1.200 Mitarbeitern. Das Angebot konzentriert sich auf Spezialgläser für:

  • Augenschutz
  • Medizin
  • Elektronik
  • Elektro-und Fototechnik
  • Verkehr
  • Beleuchtung
  • Innenausstattung

Da das Interesse sehr groß war, wurden wir in 2 Gruppen eingeteilt, um die verschiedenen Stationen zu besichtigen. Meine Gruppe wurde zuerst mit dem Bus zu einem alten Glasmacherhaus geführt. Dies ist ein kleines Fachwerkhaus, in dem der Glasmacher mit seiner Familie wohnte. Zu einem Museum umfunktioniert, zeigte es an Hand von Schriften und Bildern den Werdegang der ansässigen Glasmacherhütten und ihre Bedeutung für Grünenplan.
Geführt wurde dieser kleiner Rundgang von dem ehemaligen Glasmacher Herr Bock, dessen alte Werkzeuge ebenfalls zu sehen waren.

Danach ging es ins "Erich - Mäder - Museum".
Hier konnte man durch eine Skizze den Bau von alten Glasmacheröfen nachvollziehen.
Durch die Freilegung ehemaliger alter Glashütten, gelangte man zu verschiedenen Funden, die hier ausgestellt sind.
So wird ein Überblick der Glasgeschichte Europas gezeigt: Die ersten Anfänge aus Lava- und Eruptivgestein über römische und ägyptische Gläser aus dem 13.Jahrhundert v. Chr. bis hin zu venezianischen und böhmischen Gläsern.

Und als Vergleich zu heute: die Gläser der Schott Desag AG.

Jetzt ging es zur letzten Etappe: der Schott Desag AG:

Zuerst wurden wir mittels einer Schautafel über den Produktionsablauf informiert, um dann die Produktionsstätte direkt in Augenschein zu nehmen. Herr Hegemann führte uns zur Wanne 2 des Unternehmens. In dieser wird ein spezielles Flachglas mit einer Tageskapazität von 25 - 30 Tonnen geschmolzen. Von außen konnte man die zur Beheizung notwendigen Regenerativkammern und die Gemengekübel erkennen, über die die Wanne gespeist wird. Das flüssige Glas gelangte in den Formgebungsbereich um dann als "Festkörper" im Ziehschacht zu verschwinden.
Nach diesem warmen und lauten Abschnitt der Führung gingen wir nach oben an das Ende des etwa 10 m langen Ziehschachtes. Hier werden die fertigen Glasscheiben auf einem Kühlkarussell abgekühlt und dann von einem Arbeiter zugeschnitten und sortiert.
In ähnlicher Weise hergestellt konnte man Antik- und Farbglasscheiben sehen.

Im selben Verfahren, jedoch nicht durch einen Ziehkanal in die Höhe gezogen, werden Glasstäbe für Brillengläser hergestellt. Hier sahen wir das Glas aus einer Düse unterhalb der Wanne austreten. Durch sein Eigengewicht zieht es sich mit einem gleichbleibenden Durchmesser bis zur einer bestimmten Länge, um dann von einem Arbeiter abgeschlagen und in einem Kühlofen abgekühlt zu werden.
Diese Stäbe dienen als Rohglas zur Fertigung von Linsen.

Anschließend führte uns Herr Adebahr zur Brillenglasfertigung. Hier wird ebenfalls rund um die Uhr im Schichtdienst gearbeitet.
Der Glasstand dieser Wannen ist immer gleich, da das Gemenge kontinuierlich zugeführt wird. Aus der Wanne führen Platinrohre das Glas zu den Maschinen, die dieses nun zu runden linsenförmigen Scheiben pressen. Nach dem Kühlvorgang werden sie in der Qualitätssicherung sortiert.

So sind wir schon am Ende dieser Besichtung angelangt. Alles in allem ein informativer Rundgang, der einen kleinen Einblick in die Arbeits- und Vorgehensweise der Spezialglasproduktion bot.

Bericht aus dem Beirat
Heike Gauer



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