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VDG-Nachrichten 01/2021

 

 

Schülerinnen und Schüler melden sich zu Wort

Erfahrungen im Distanzunterricht.

 
 
Britta Schreiber aus der Jugendvertretung des VDG ging mit dem Telefon und Mail zu Schülerinnen, Schülern und Lehrern unserer Berufsschulen, mit der Bitte ihre Wahrnehmungen, Empfindungen und Bemühungen über ihre Ausbildung und deren Möglichkeiten in Worte zu fassen. Das Ziel war es, wie auch in der Berufsschule Lauscha deutlich zu machen, wie gerne Auszubildende ihren Beruf erlernen möchten und wie sehr man sich bemüht nach Lösungen zu suchen.

Katharina Hauff , 22 Jahre, Auszubildende Glasapparatebau, 3. Lehrjahr

Es ist 8:16 Uhr mein Wecker klingelt. „Früher... vor langer, langer Zeit“, musste ich knapp eine Stunde eher aufstehen, damit ich es rechtzeitig an die Glasfachschule schaffte. Ach, wie sehr vermisse ich meinen Schulweg und die Morgensonne in meinem Gesicht. Wie sehr vermisse ich den Duft der Schule, die netten Lehrer und die Klingel die uns in die Pause führt. Wie sehr vermisse ich meinen Arbeitsplatz, die warme Flamme und das Glas. Zum einen muss ich sagen, bin ich sehr froh, dass mittlerweile die Zusammenarbeit in Teams und auch die Technik im Allgemeinen so gut funktioniert. Anders als letztes Jahr haben wir jetzt täglich Unterricht und bekommen regelmäßig Aufgaben. In einigen Fächern finde ich es allerdings sehr schwierig, vor allem in Mathe fällt es mir sehr schwer mitzukommen. Teilweise bin ich sehr abgelenkt und kann mich nicht konzentrieren. Andererseits finde ich es auch schwierig als Lehrer einen Unterricht über Kamera zu führen. Was mich sehr freut ist das Zeichenprogramm. Dort werde ich viel selbstständiger und schneller. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass ich mir meine Zeit im Großen und Ganzen selber einteilen kann. Ich hoffe sehr, dass die Abschlussklassen bald wieder in die Schulen dürfen. Der Praxisteil ist für uns das Wichtigste und dieser fällt schon seit einiger Zeit komplett aus. Meinem Gemütszustand geht es eigentlich ganz gut. Abwarten und weitermachen.
 
 
 

Sofie Jonischkeit, Auszubildende Glasapparatebau, 3. Lehrjahr

Es ist 8:16 Uhr mein Wecker klingelt. „Früher... vor langer, langer Zeit“, musste ich knapp eine Stunde eher aufstehen, damit ich es rechtzeitig an die Glasfachschule schaffte. Ach, wie sehr vermisse ich meinen Schulweg und die Morgensonne in meinem Gesicht. Wie sehr vermisse ich den Duft der Schule, die netten Lehrer und die Klingel die uns in die Pause führt. Wie sehr vermisse ich meinen Arbeitsplatz, die warme Flamme und das Glas. Zum einen muss ich sagen, bin ich sehr froh, dass mittlerweile die Zusammenarbeit in Teams und auch die Technik im Allgemeinen so gut funktioniert. Anders als letztes Jahr haben wir jetzt täglich Unterricht und bekommen regelmäßig Aufgaben. In einigen Fächern finde ich es allerdings sehr schwierig, vor allem in Mathe fällt es mir sehr schwer mitzukommen. Teilweise bin ich sehr abgelenkt und kann mich nicht konzentrieren. Andererseits finde ich es auch schwierig als Lehrer einen Unterricht über Kamera zu führen. Was mich sehr freut ist das Zeichenprogramm. Dort werde ich viel selbstständiger und schneller. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass ich mir meine Zeit im Großen und Ganzen selber einteilen kann. Ich hoffe sehr, dass die Abschlussklassen bald wieder in die Schulen dürfen. Der Praxisteil ist für uns das Wichtigste und dieser fällt schon seit einiger Zeit komplett aus. Meinem Gemütszustand geht es eigentlich ganz gut. Abwarten und weitermachen.
 
 
 

Nicole Tschauder, 24 Jahre, Auszubildende Glasapparatebau, 3. Lehrjahr Erfahrungen im Corona bedingten Distanzunterricht mit Kind

In Stichpunkten möchte ich es für mich so wiedergeben:
Kontra:

  • äußerst anstrengend

  • nicht selten fühle ich mich ausgelaugt

  • ich kann den Unterrichtsstoff oft nur schwer aufnehmen, da meine Konzentration nicht so hoch wie im Präsenzunterricht ist

  • Peinlichkeit aufgrund mehrmaligen Bittens um Wiederholung des Gesagten an die Lehrer, da entweder die Verbindung schlecht ist, oder ich durch mein Kind abgelenkt werde. Zurzeit sind ja auch die Kitas geschlossen.

  • In einigen Fächern empfinde ich die Aufgaben im Verhältnis zur kurzen Bearbeitungszeit als zu viel.

  • Nicht selten muss man auf Mitschüler warten, die verspätet an den Unterrichtssitzungen teilnehmen. Dadurch entsteht Zeitdruck bei der Abarbeitung des Unterrichtsstoffes. Vielleicht sollten die Unterrichtsstunden etwas länger dauern.

  • Ganz fürchterlich, die Praxisunterrichtstunden. Dadurch steigt Angst vor den bevorstehenden Praxisnoten, denn uns fehlt die Übung.
Pro:

  • Natürlich, man kann mal länger schlafen.

  • Der Zusammenhalt zwischen den Schülern wurde extrem verstärkt

  • und das Verantwortungsbewusstsein ist gewachsen.
Auch wenn die Kontraauflistung klar der Pro-Seite überwiegt, bin ich dennoch NICHT für eine zu schnelle Rückkehr zum Präsenzunterricht, solange die Lage nicht klar „sicher“ bzw. „risikoarm“ ist. Da ich die Meinung vertrete, lieber eine Note schlechter oder gar ein Jahr wiederholt als ein Todesfall mehr.
 
 
 
 

Michael Weinfurtner, 20 Jahre, Auszubildender Glasapparatebau, 2. Lehrjahr mit Lehrzeitverkürzung, somit im Abschlussjahr

Nachdem sich alle Beteiligten wohl oder übel an den Umstand des Distanzunterrichts gewöhnt haben läuft dieser einwandfrei. Persönlich gelingt es mir, dank dem heutigen Stand der Technik, den ganzen Unterricht digital und ohne Papier über die Bühne zu bringen. Im Gegensatz zum ersten Lockdown, der von viel freier und in der heimischen Werkstatt verbrachter Zeit geprägt war, ist der aktuelle mit viel theoretischer Arbeit gefüllt. Das hängt auch mit meiner Lehrzeitverkürzung zusammen. Durch den Wegfall des Schulweges, gelingt es gut, arbeitsreiche Phasen des Lernens zu schaffen. Leider und dies ist wohl der größte Verlust in dieser Zeit kann die Fachpraxis nicht vollzogen werden. Als angehender Apparatebauer ist diese fehlende Fachpraxis nur schwerlich zu verkraften. Auch wenn ich die besondere Möglichkeit habe in der heimischen Werkstatt arbeiten zu können, kommt das praktische Arbeiten durch die aktuelle Lernphase zu kurz. Hierzu komme ich nur noch am Wochenende. Da wird der Ausgleich zum Lernen und dem Unterricht geschaffen.
Michael Weinfurtner auf Instagram: instagram@vonlerchenholz
 
 
 

Lisa Preußner, Auszubildende Glasapparatebauerin, 3. Lehrjahr

Alles, was ich hier schreibe, sind meine persönlichen Erfahrungen, Eindrücke und Gedanken. Man kann es nicht auf die Allgemeinheit beziehen, da andere Schüler*innen andere Ausgangssituationen, andere Empfindungen, andere Prioritäten haben.
Ja, der liebe Distanzunterricht. Die einen finden ihn schrecklich, die anderen ... nicht ganz so schrecklich. Ich persönlich bin jetzt kein Gegner des Distanzunterrichts, wäre aber sehr froh darüber, wenn er nicht mehr allzu lange andauert. Bei uns an einer Berufsschule ist das ja so eine Sache. Schulen, an denen ausschließlich theoretische Fächer unterrichtet werden, können ihren gesamten Unterricht zu den normalen Unterrichtszeiten online abhalten. Wir hingegen haben in der Woche 24 Stunden Fachpraxis und 12 Stunden verschiedene Theoriefächer. Fachpraxis können wir NUR in der Schule erhalten! Die Theoriestunden werden bei uns, so wie sie im Stundenplan stehen). Das heißt es gibt Tage, an
denen haben wir nur eine Stunde Unterricht - irgendwann kurz vor Mittag. Für manche Schüler*innen mag das angenehm sein fast den ganzen Tag „frei“ zu haben. Für andere - inkl. mir – bedeutet dies jedoch genau das Gegenteil. Ohne eine vorgegebenen Tagesstruktur, versumpft man recht schnell, hat Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und tut sich sogar schwer, sich zu der einen Stunde kurz vor Mittag aufzuraffen. Man könnte jetzt sagen: „Ist doch super, ihr habt den ganzen Tag frei, könnt euren Tag einteilen wie ihr wollt, machen was ihr wollt, oder wenn euch langweilig ist den ganzen Tag für die Abschlussprüfung lernen.“ Ja, könnte man sagen, aber so einfach ist es halt auch wieder nicht. Vieles kommt zusammen. So auch die Freizeitgestaltung als Ausgleich für Schule und Arbeit. Man kann sich nicht mit Freunden treffen, abends in eine Bar gehen oder was unternehmen und Ausflüge machen. Nichts was sonst ganz normal war. Den einzigen Ausgleich, den man jetzt haben kann, ist spazieren gehen. Und das am besten ganz allein. Wow, ganz toll. Ich denke, vor allem für junge Menschen macht das Gesamtpaket aus Distanzunterricht, Lockdown, Isolierung usw. schon einiges aus. Ich persönlich halte mich strikt an die vorgegebenen Maßnahmen in der Hoffnung, dass würde alles schnell besser machen. Ich bin den ganzen Tag zu Hause, empfange keine Gäste, gehe wirklich nur kurz zum Einkaufen raus und das auch so selten wie möglich. Das Fernbleiben von sozialen Kontakten und diese Selbst-Isolierung geht aber an mir und ich weiß an vielen anderen Menschen auch nicht spurlos vorbei. Wie schon erwähnt: Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit.
Auch einige Mitschüler*innen klagen darüber. Deshalb ist lernen, so sehr ich es auch am liebsten
den ganzen Tag tun würde, nicht ganz so einfach bis zum Teil sogar nahezu unmöglich. Die ganze Situation ist für Menschen, die vorher schon psychisch nicht 100%ig fit waren, schlimm genug, aber ich höre inzwischen auch von Leuten, die vorher mit einem sehr gesunden Geist gesegnet waren, dass sie inzwischen ähnliche Beschwerden erfahren. Was ich mich dabei frage: Ist das Konstrukt Mensch wirklich so instabil, dass es wegen diesem „bisschen eingesperrt sein“ gleich zu depressiven Zombies mutiert? Oder sind nur wir jungen Leute so wehleidig? Wir leben ja schließlich nicht im Krieg. Oder vielleicht doch? Ein Krieg gegen einen unberechenbaren unsichtbaren Gegner, den keiner so recht kennt? Keiner weiß, was zu tun ist. Manche werden zu begeisterten Verschwörungstheoretiker*innen, andere haben Panik, wieder anderen ist alles inzwischen „wurscht“. Zusammenhalt ist wichtig, aber bitte allein. Na super. Auch etwas was im Online-Unterricht fehlt. Der direkte Kontakt zu Mitschüler*innen und auch zu den Lehrer*innen. Das Beisammensein und Scherzen in der Werkstatt, was wir eigentlich den ganzen Tag hatten, was zu Beginn auch mit Abstand und Maske möglich war und immer noch wäre ... Es fehlt einfach etwas. Wir haben zwar diverse WhatsApp-Klassengruppen, aber das ist auch nur ein kleiner Trost. Der Mensch ist ein Rudeltier. Alleine geht er ein. Wie eine Zimmerpflanze ohne Licht. Sie überlebt zwar, aber verkümmert mit der Zeit. Ich habe zumindest das Glück, dass zwischen uns 6 Apparatebauer-Schülern trotzdem ein unglaublicher Zusammenhalt herrscht, den wir seit Ausbildungsbeginn aufgebaut haben. Wir helfen uns gegenseitig, soweit es geht, auch um die Lehrer zu entlasten. Trotzdem ist der Kontakt über eine WhatsApp-Gruppe nicht der gleiche, wie wenn man sich jeden Tag in der Schule sieht.
Mir kommt es auch vor, als wenn alles im Online-Unterricht viel umständlicher ist. Ständig schaut man
in sein MS Teams mit der Befürchtung, irgendetwas übersehen zu haben wie neue Aufgaben oder neue
Informationen. Man lädt sich seine Dateien runter, sorgt für ein kompatibles Programm zum Öffnen,
druckt sich die Sachen aus (sofern man überhaupt einen Drucker zu Hause hat), weil Digitalisierung hin
oder her...die Papierform ist für mich einfach umgänglicher. Weniger Bildschirmzeit ist auch besser für die Augen. Man lernt oder macht seine Hausaufgaben, die fotografiert man mit dem Handy und schickt sie
dem Lehrer. Manchmal soll dies im PDF-Format geschehen. Ich habe glücklicherweise schon einen Drucker, aber leider keinen richtigen Scanner. Naja, dann sucht man sich halt eine App, mit der man am Handy im PDF-Format scannen kann. Die sechste App, die ich mir heruntergeladen hatte, konnte ich auch ohne kostenpflichtiges Abo verwenden. Jedoch nur für 5 Testscans. Aber immerhin, für die geforderte Aufgabe hat es gereicht. Im Präsenzunterricht bekommen wir die Blätter ausgeteilt – ganz unkompliziert! Und wenn wir was abgeben sollen, geben wir besagte ausgeteilte Blätter ganz einfach wieder zurück. Und seien wir ehrlich, was Digitalisierung im Allgemeinen angeht, scheint Deutschland nicht gerade ein Vorzeigeland zu sein. Schon allein wegen der digitalen Infrastruktur. Das Internet in meiner Wohnung fällt oftmals aus. Bei einer 100.000er Leitung wird sie aber wohl kaum überlastet sein. Ich danke dem Anbieter dafür, dass ich für viel Geld, wovon man als Schüler eh schon nicht so viel hat, eine eher weniger zuverlässige Internetverbindung bekomme. In Zeiten des „homeschooling“ aber essenziell. Wenn während der Online-Stunde das Internet so schwächelt, dass man die Hälfte von dem, was der Lehrer sagt, nicht hört, ist das auch irgendwie - ich sag‘s wie ichs denke - „für‘n Arsch“. Aber gut, dass man zuverlässige Mitschüler*innen hat, die erzählen einem dann, um was es ging. Dann hat man da wenigstens mal wieder ein wenig Konversation. Aber bei mir sind das eh nur Kleinigkeiten, Luxusprobleme. Ich kann mir was so Technik-Zeug angeht eigentlich immer relativ gut selber helfen und   bin ganz gut für den Distanzunterricht aufgestellt. Doch nicht bei allen ist das so, obwohl es aber von der Regierung als selbstverständlich erachtet wird. Es gibt Schüler*innen, die sich einen Laptop mit den Geschwistern teilen müssen, jedoch gleichzeitig beschult werden sollen. Mein Freund, dessen 6-monatige Vollzeit-Weiterbildung nun auch online stattfindet, hat sich extra für den Distanzunterricht einen Laptop kaufen müssen, weil er keinen hatte. Oder eine meiner Lehrkräfte, von der man öfter mal hört, sie müsse sich jetzt aus der Besprechung verabschieden, weil eines ihrer Kinder nun den Laptop braucht, um selbst am „homeschooling“ teilnehmen zu können. Wenn ich dann noch abends, wenn ich mal wieder nicht schlafen kann und am Handy irgendwelche Berichte und Dokus anschaue, von Familien höre, die zum Teil gar kein bis sehr schlechtes Internet haben, telefonisch über die Hausaufgaben informiert werden müssen, oder Schüler*innen das Englisch-Referat im Garten im Schnee halten müssen, weil nur draußen das Handy-Netz gut genug für eine Videokonferenz ist, dann denke ich mir schon wieder, dass es mir eh gut geht. Bei uns in Zwiesel hat es echt viel Schnee und es ist echt kalt und ich möchte nicht für den Online-Unterricht draußen sitzen müssen. Ein Hoch auf meine Eltern, dank derer ich mir den teuren Telekom-Vertrag überhaupt leisten kann, denn dank Corona sind meine zwei Nebenjobs weggebrochen. Ich muss auch meinen Lehrern und Lehrerinnen ein großes Lob aussprechen, da dieser Distanzunterricht auch hier für die meisten eher eine Mehrbelastung als Entlastung ist. Hier kann man zum einen den Umständlichkeits-Aspekt wieder aufgreifen, durch den sie extrem viel Mehrarbeit haben, zum anderen haben sie zum Teil noch kleinere Kinder, um die sie sich gleichzeitig kümmern müssen. Ich überlege dann schon immer zweimal, ob ich eine*n meiner Lehrer*innen außerhalb der Unterrichtsstunde anschreibe, weil ich noch Fragen habe. Ich will ja nicht, dass sie wegen mir noch mehr Stress bekommen. Auf der anderen Seite ist das ihr Job für uns da zu sein. Aber letztendlich sind wir alle nur Menschen, die Belastungsgrenzen haben. In der Schule habe ich meine Lehrer den ganzen Tag in der Nähe, da geht man einfach hin und fragt. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Ganz einfach. Ganz schnell. In der Schule haben wir auch Anschauungsmaterial für manche Fächer. In Fachzeichnen zum Beispiel, manche Schüler*innen tun sich schwerer als andere räumlich zu denken und sind immer ganz glücklich über fertig gebaute Apparate, die man in die Hand nehmen, drehen und wenden kann bis ich verstanden haben, wie das Teil überhaupt aussieht. Online - Fehlanzeige. Klar, die Lehrkraft kann ein paar Sachen aus der Schule holen und vor die verpixelte Kamera unter schlechten Lichtbedingungen halten.
Aber das Wahre ist das jetzt auch nicht. Der jedoch wichtigste und zugleich schlimmste Teil für mich an dem ganzen „homeschooling“ ist der fehlende Praxisunterricht. Ich mache eine Ausbildung in einem Handwerksberuf. Da ist die Praxis das wichtigste, das, um das es eigentlich hauptsächlich geht. Man braucht viel Zeit und Übung. Wenn einem dann ein Teil dieser Übungszeit genommen wird, ist das ziemlich - ich sag‘s wieder wie ich‘s denke - „für‘n Arsch“. Ich arbeite(te) ununterbrochen, wenn wir in der Werkstatt waren. Ich liebe diese Schule, ich liebe diese Ausbildung. Was ich ganz und gar nicht liebe ist die fehlende Zeit, die ich in der Werkstatt verbringen könnte. Ich stehe noch ganz am Anfang meines Lernprozesses bezüglich des Glasblasens und mit den ständigen langen Pausen dazwischen habe ich das Gefühl, alles bisher Gelernte wieder zu verlernen. Manche Handgriffe können sich nicht festigen, nicht automatisiert werden.  Da haben es die Berufsschüler, die eine duale Ausbildung absolvieren, schon besser. Die meisten können in ihrem Betrieb weiterarbeiten. Haben die dann mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Ich bin auch eine engagierte Schülerin und darum trifft mich diese Zeit hart. Ausgerechnet jetzt, wo ich so gern wie noch nie zur Schule gehe und endlich etwas gefunden hab, was mir Spaß macht.
Dass niemand etwas für die jetzige Situation kann, versteht sich hoffentlich von selbst.
Mit den fast schon launenhaft wirkenden Schulschließungen und Wiederöffnungen wird sowohl der
Schulleitung als auch den Lehrkräften und Schülern jegliche Planbarkeit entzogen. Haben wir nächste
Woche schon wieder Schule? Können wir endlich unsere Tests schreiben? Wer weiß das schon …
 
 
 

Schulleitung Glasfachschule Zwiesel Gunther Fruth

Distanzunterricht bewältigen heißt …
… technische Voraussetzungen schaffen
… das Kollegium schulen und gewinnen
… die Schülerinnen und Schüler fordern und führe.
An der Glasfachschule Zwiesel befinden sich die drei Schularten Berufsschule, Berufsfachschule und Fachschule unter einem Dach. Wenn es per Verfügung oder aufgrund von Quarantänemaßnahmen nötig ist, läuft unser Distanzunterricht über die Lernplattform Teams ab. Technisch sind dabei, bis auf kleine individuelle Fehlerquellen vor Ort, keine Schwierigkeiten aufgetreten. Das ganze System läuft sehr stabil.
Dramatisch ist die Situation in der Vollzeitausbildung unserer Berufsfachschule. Dort stellt der komplette Ausfall der Praxisunterrichtszeiten in den Werkstätten eine katastrophale Entwicklung dar, dies gilt besonders für unsere Abschlussschüler.
Allgemein lautet mein Fazit zum Thema Distanzunterricht, dass in einzelnen Fächern, besonders mit Theorieeinheiten, dieser durchaus ein nützliches Werkzeug sein kann. Praxisunterricht in den Glasbearbeitungswerkstätten ist aber dadurch nicht zu kompensieren und der fehlende direkte persönliche Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern lässt viele, oft dringliche soziale Wichtigkeiten und Fragen unbehandelt in Raum stehen.
Dies als kleine zusätzliche Anmerkung der Schulleitung zu den Stellungnahmen der Schülerinnen und Schüler unserer Schule.
Gunther Fruth, Schulleiter der Glasfachschule Zwiesel
 
 
 

Peter Trautsch, Berufsfachschullehrer aus Ilmenau erzählt im Folgenden die Organisation und Entwicklungsstadien der Unterrichtsgestaltung während der Pandemie

Die erste Schulschließung am 17.03.2020 war zwar zu erwarten, kam aber trotzdem überraschend.
Anfangs wurden Aufgaben, Unterrichtsstoff über die Dienstmails der Fachlehrer an die Ausbildungsverantwortlichen der Ausbildungsbetriebe gesendet. Die Verantwortlichen für die Ausbildung haben die Fachlehrer unterstützt und die Aufgaben an ihre Lehrlinge weitergegeben, räumten zur Bearbeitung entsprechende Zeit ein und unterstützten teilweise die Lehrlinge bei der Erledigung.
Nach Inbetriebnahme der Thüringer Schulcloud wurden und durften die Aufgaben zum Unterrichtsstoff nur noch über diese versendet werden. Nach anfänglichen Problemen funktionierte diese immer besser und wurde ausgebaut. Eine gezielte Zusendung der Aufgaben an Klassen, Gruppen oder einzelne Lehrlinge war möglich. Die gestellten Aufgaben wurden mit Terminen versehen und an die Fachlehrer zur Kontrolle über die Schulcloud zurückgesendet. Eine zeitnahe Kontrolle der zurückgesendeten Lösungen und Korrektur war wichtig und auch möglich. Hinzu kam Videounterricht. Der größte Teil der Auszubildenden bearbeiteten die Aufgaben gewissenhaft und fragten auch bei Fachlehrern im Fall von Unklarheiten nach.
Teilweise gab es „Wechselunterricht“ in 2 Gruppen, also in der 1. Turnuswoche die erste Gruppe, in der 2. Woche die zweite Gruppe. Die Sitzplätze im Klassenraum wurden zum Präsensunterricht weiter auseinandergestellt, Fenster und Türen zum Lüften genutzt, Unterrichtsstunden gekürzt bzw. unterbrochen. Zudem wurden Klassen in anderen, größeren Klassenräumen unterrichtet. Auch die Schulaula und der Speiseraum wurden für den Unterricht genutzt. Mund–Nasen-Masken müssen im Schulgebäude getragen werden, im Unterricht nicht. Die Festlegung eines Raucherplatzes wurde teilweise aufgehoben.
Zum praktischen Unterricht:
Die praktische Weiterbildung gestaltet sich ganz unterschiedlich. Einige Lehrlinge arbeiteten während des eigentlichen Schulturnus und neben den Schulaufgaben stundenweise im Betrieb. Andere konnten weder in der Schule noch im Ausbildungsbetrieb arbeiten (beide waren geschlossen).
Klassenfahrten, Unterrichtsgänge, Betriebsbesuche wurden nicht durchgeführt.
Zur Zwischen- und Abschlussprüfung
Die Kenntnis- und Fertigkeits-Zwischenprüfungen 2020 wurden von der  IHK und der HWK abgesagt, die Auszubildenden können dieses Jahr auch ohne ZP in die Abschlussprüfungen
 
 
 

Ewgeni Kubarko ist 24 Jahre Auszubildender im Glasapparatebau in der Gebr. Rettberg GmbH in Göttingen, im 3. Lehrjahr. Zur Schule geht er ins Staatliche Berufsschulzentrum Arnstadt-Ilmenau. Er erzählt über seine Wahrnehmungen in dieser schweren Zeit.

Der Beruf hat mich regelrecht fasziniert. Ich mache die Arbeit wirklich gerne und ich habe mich sehr bemüht mir so viel Fachwissen wie möglich anzueignen. Das hat soweit auch super geklappt - bis Corona kam. Im Betrieb ist alles beim Alten geblieben, nur haben wir eine Maskenpflicht und die Anweisung so gut es geht Abstand zu halten bekommen.
Aber was den Berufsschulunterricht angeht, hat sich vieles geändert und erschwert. Ich gehe in Ilmenau zum SBSZ und durch den weiten Weg lebe ich dort während der Blockschulzeit im Internat. Ende letzten Jahres sind mehrere Schulwochen (wegen Corona Vorschriften) ausgefallen und wir konnten diese Lerninhalte nachträglich nur mager ausarbeiten. Im 3. Lehrjahr ist das Niveau des Unterrichts schon gehobener, weshalb ich es sehr schade finde nur eingeschränkt lernen zu können. Alternativ haben wir seit neuestem homeschooling/Distanzunterricht: Wir können uns Lerninhalte der jeweiligen Fächer aus einer Cloud, seitens der Schule, herunterladen und ausarbeiten. An sich eine tolle Alternative, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich zu wenig Selbstdisziplin besitze, um auf diese Weise zu lernen. Ich verpasste dadurch eine Menge im 3. Lehrjahr und das Verinnerlichen des Lernstoffes viel mir schwer. Doch die Prüfung naht und Aufgeben ist keine Option.
Eine weitere Unannehmlichkeit ist der Fakt, dass ich binnen eines 1/4 Jahres schon zweimal je 2 Wochen in Quarantäne musste, aufgrund irgendwelcher Vorkommnisse innerhalb der Schule.



 
 
 

VDG-Nachrichten


Herausgeber
Verband Deutscher Glasbläser e.V., Karlstr. 7, D-48268 Greven

Erscheinungsweise
vierteljährlich im März, Juni, September und Dezember (Sonderausgabe nach Bedarf)

Format
210 x 297 mm (DIN A 4)

Bezugspreis
Der Mitgliedsbeitrag beinhaltet den Bezug der VDG-Nachrichten; Bezugspreis für Nichtmitglieder: 13,50 €.

Druck
Karl Elser Druck GmbH, Mühlhacker / E-Mail: info@elserdruck.de

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